Bubenbergia – Ein weiterer Bestand findet ein schönes Daheim!

An einem heissen Sommertag, dem 28. Juli 2026, gelangte das kompakte Archiv der abstinenten Gymnasialverbindung Bubenbergia Bernensis in sein neues Zuhause. Es wurde der Burgerbibliothek Bern überlassen. Der rund einen Laufmeter umfassende Bestand wurde von Thomas Schmid entgegengenommen, der als stellvertretender Direktor der Burgerbibliothek unter anderem für die Privatarchive verantwortlich ist. Die Überlieferung dokumentiert das Vereinsleben einer abstinenten Berner Gymnasiastenverbindung im städtischen Gymnasium des 20. Jahrhunderts. Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen Wappenscheiben mit den Namen und Vulgo-Bezeichnungen einzelner Bubenberger. Oftmals sind persönliche Widmungen der Leibburschen an ihre Leibfüxe darauf zu finden. Ergänzt wird der Bestand durch kunstvoll gestaltete Quartalsprogramme und Einladungen zu Veranstaltungen sowie mehrere Stammbücher. Ein Fonds, dessen Erforschung sicherlich noch manche spannende Entdeckung bereithält!

Zur historischen Einordnung der Verbindung in Kürze: Die Bubenbergia Bernensis wurde am 20. Mai 1925 in Bern im städtischen Gymnasium als abstinente Gymnasiastenverbindung gegründet. Die Initiative zur Gründung ging jedoch nicht von den späteren Mitgliedern selbst aus, sondern wurde durch Vertreter der ebenfalls abstinenten Verbindungen Helvetia (später Mittel- und Hochschulverbindung Libertas) und Sequania Bern angeregt. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Hans Weber v/o Urs, Hans Bracher v/o Pax, Fridolin Meyer v/o Preuss und Max Ritter v/o Pirat. Ursprünglich trug die Verbindung den Namen «Teutonia», der jedoch kurz nach der Gründung aufgegeben wurde, um den bernisch geprägten Namen «Bubenbergia Bernensis» zu übernehmen. Die Verbindung bekannte sich zum Abstinenzgedanken und stand zunächst in enger Verbindung mit der Helvetia/Libertas. Später pflegte sie auch enge Beziehungen zu anderen abstinenten Schülerverbindungen, insbesondere zur Berna in Burgdorf und der Juventus in Biel. Mit diesen gründete sie 1926 ein Kartell. Ab 1928 war sie zudem Mitglied des Cartel Romand.

Bereits in den ersten Jahren entwickelte die Bubenbergia ein reges Vereinsleben. Neben Vorträgen und Diskussionen gehörten Theateraufführungen, Familienabende, Wanderungen, Skilager, Sportveranstaltungen, Fechtstunden, kulturelle Darbietungen und die Mitarbeit an Abstinenzaktionen zum festen Programm. Im Jahr 1928 entstand schon ein Altherrenverband, der sich stark in die Pflege der studentischen Traditionen in der Verbindung engagierte. Die Bubenbergia war zunächst Mitglied der Mittelschul-Libertas, trat jedoch 1933 aus, da sie den dort geltenden Abstinenzzwang für Altherren ablehnte. Während des Zweiten Weltkriegs stellte die Verbindung im Jahr 1939 ihre öffentliche Tätigkeit ein. Auf Anregung des Altherrenverbandes und der Sequania sowie von Dr. Max Oettli wurde sie im Herbst 1943 neu gegründet. Nachdem der Abstinenzzwang für Altherren aufgehoben worden war, trat die Bubenbergia 1944 wieder in der Libertas bei. 2014 herum wurde sie mangels jahrzehntelangen Mitgliederzuwachses suspendiert.[1]

Autor: Cristian Consuegra v/o Iker. Erstes Bild: Transport der Archivschachteln (Foto: Privataufnahme Consuegra). Zweites Bild: Wappenscheiben mit Widmungen (Foto: Privataufnahme Consuegra). Drittes Bild: Farben, Zirkel und Erkennungsbild der Bubenbergia Bernensis (Foto: Privataufnahme Consuegra).


[1] GA Bubenbergia 28, Burgerbibliothek Bern.

Zähringia Burgdorf im Burgerarchiv

Am 01.06.2026 wurde das Archiv der Zähringia Burgdorf dem Burgerarchiv in Burgdorf unter der Leitung der Stadtarchivarin Luzia Fleischlin übergeben. Ein kräftiger Zutrunk als Dank dem Übermittler Markus Meier v/o Scifican (Zofingia Bern). Mit einem Umfang von rund 5.5 Laufmetern gehörte der Bestand zu den umfangreicheren Archiven in der Sammlung der SVSt, die durch die Mitarbeit von Cristian Consuegra v/o Iker (Berner Singstudenten) und Scifican nach archivischen Grundsätzen erschlossen wurde. Der Bestand dokumentiert sowohl das interne Leben der Verbindung als auch ihre Einbettung in das gesellschaftliche, kulturelle und bildungsgeschichtliche Umfeld Burgdorfs. Zu den überlieferten Unterlagen gehören zahlreiche, spannende und illustrierte Stammbücher, eine umfangreiche Korrespondenz, Fotografien, Bierzeitungen und weitere Zeugnisse des studentischen Lebens. Sie erlauben Einblicke in die Vereinskultur am Technikum Burgdorf und die sozialen Netzwerke mehrerer Generationen von Mitgliedern.

Zur Geschichte: Die Zähringia Burgdorf wurde am 14. November 1898 unter dem Namen «Musiker-Vereinigung Tarantella» gegründet. Im Verlauf der folgenden Jahre übernahm sie studentische Gepflogenheiten und wurde 1908 anlässlich des kantonalen Turnfests in Burgdorf als Verbindung des Technikums Burgdorf anerkannt. Mit der Neugründung 1917 (1912 wurde die Tarantella durch die Direktion des Technikums aufgelöst) ging eine inhaltliche Neuausrichtung einher: Bildung, politische und militärische Aufklärung sowie die Pflege von Freundschaft und Geselligkeit standen im Mittelpunkt. Wir wünschen den Forschenden, Historikern sowie weiteren Interessierten viel Spass am kulturhistorisch bedeutenden Quellenmaterial![1]

Autor: Cristian Consuegra v/o Iker, Markus Meier v/o Scifican

Das erste Stammbuch der Zähringia Burgdorf 1897-1915 / Der neue Standort des Zähringerarchivs im Burgerarchiv in Burgdorf.


[1] Entnommen aus https://www.zaehringia.ch/altherren#Geschichte, zuletzt am 10.06.2026.

Humanitas Sangallensis

Manchmal kann eine unscheinbare E-Mail den Anstoss für eine kleine Rettungsaktion für studentisches Kulturgut geben. So erreichte uns kürzlich eine Anfrage des Staatsarchivs St. Gallen. Da das Archiv nicht auf die dauerhafte Aufbewahrung von Textilien oder Objekten spezialisiert ist, fragten sie uns an, ob wir an der Übernahme zahlreicher Objekte wie Cerevis, Schärpen, Vollwichsen und weiterer Stücke der Humanitas Sangallensis interessiert seien. Ansonsten müssten sie die Objekte kassieren. Das umfangreiche Verbindungsarchiv befindet sich nach wie vor in St. Gallen. Nach eingehender Prüfung sichtete unser Fachmann Johannes Zimmermann v/o Credo (Zähringia Bern) die Inventarliste und wählte jene Objekte aus, die uns studentenhistorisch gesehen erhaltenswert erschienen. Was auf dem Papier zunächst nach einer überschaubaren Anzahl von Gegenständen aussah, erwies sich in der Praxis als deutlich umfangreicher.

Deshalb machte sich Cristian Consuegra v/o Iker (Berner Singstudenten) am 23. April auf den Weg nach St. Gallen, um die ausgewählten Stücke bei der Restauratorin Sara Allemann abzuholen. Vor Ort zeigte sich rasch, dass die Übernahme nicht nur historisch interessant, sondern auch körperlich anspruchsvoll werden würde. Die Menge des Materials und dessen Gewicht wurden anfänglich etwas unterschätzt. Dennoch gelang es, sämtliche Objekte sicher und unbeschadet ins Depot nach Luzern zu überführen. Dort warten sie nun auf ihre weitere Bearbeitung. Die geretteten Objekte stammen von der Humanitas Sangallensis, einer abstinenten Schülerverbindung mit den Farben blau-weiss-grün. Sie wurde am 6. September 1890 von fünf Mitgliedern gegründet, die sich von der Zofingia abgespalten hatten. Bereits wenige Monate später bekannte sich die Verbindung zur Abstinenz. So wurde auch der Fechtsport eingeführt, so galt die Humanitas bald als führende und gefürchtete Schlägergruppe.[1]

Autor: Cristian Consuegra v/o Iker

Erstes Bild: Schärpe, Hemd und Cerevis in den Farben der Humanitas Sangallensis (Foto: Privataufnahme Consuegra).
Zweites Bild: Reisekoffer der Humanitas Sangallensis (Foto: Privataufnahme Consuegra).


[1] Entnommen aus https://dls.staatsarchiv.sg.ch/records/130325, zuletzt am 09.06.2026.

Neues aus der Sammlungs- und Ausstellungskommission

Jubiläums-App zu 25 Jahre Museen im Kanton Bern (mmBE)

Seit 2020 ist die SVSt, mit Sitz in Bern, mit ihrer einmaligen Sammlung an couleurstudentischen Ausstellungsstücken Mitglied im Verein der Museen im Kanton Bern (mmBE), welcher seit 2001 besteht und grosse und kleinere Ausstellungshäuser und Sammlungen vereint, so dass alle vom jeweiligen Knowhow der anderen profitieren können. Zum Beispiel haben kürzlich Vorstandsmitglieder der SVSt am kostenlosen Workshop-Angebot der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte SKKG zur Provenienzforschung für kleine und mittlere Museen teilgenommen, welches durch mmBE vermittelt wurde.

Zu seinem 25-Jahr-Jubiläum schenkt mmBE nun seinen Mitgliedermuseen und -sammlungen einen gemeinsamen zweisprachigen Audioguide (Deutsch – Französisch) als App. In Ergänzung zur mmBE-Website und zum Museumsführer im Taschenformat lädt die App, welche anlässlich der Jahresversammlung von mmBE in Neuenstadt online gegangen ist, Kulturinteressierte zum kurzweiligen Entdecken und Eintauchen in die zahlreichen, manchmal auch unbekannteren Museen und Sammlungen im Kanton Bern und ihre Sammlungen ein.

Auch wenn die Sammlung der SVSt kein eigentliches Museum mit fixen Öffnungszeiten ist, sind wir dennoch eingeladen worden, unsere Sammlung und wenigstens ein Objekt einer breiteren Öffentlichkeit näher vorzustellen. Peter Johannes Weber v/o Pizza und Cristian Consuegra v/o Iker haben sich, in Rücksprache mit mir als dem Sammlungsverantwortlichen, entschieden, als Gegenstand ein Becherset mit Krug des Altherrenschiessens des Gesangsvereins Technikum Burgdorf (GVTB), aus der Zeit 1951 – 58, das aus der Sammlung Robert Develey v/o Dream-it übernommen werden konnte, näher vorzustellen.

Auch für Nicht-Berner wird sich ein Blick in die App sicher lohnen.

Es ist geplant, dass mit der Zeit auch noch weitere Ausstellungsstücke aus unserer Sammlung in der App präsentiert werden könnten.

Autor: Johannes Zimmermann v/o CREDO

P.S. Couleurstudentische Gegenstände aus Museen und Sammlungen können übrigens – ausserhalb der SAK der SVSt – unter anderem auch folgenden Seiten gefunden werden:

Swiss Couleur Day 2026

Der Swiss Couleur Day 2026 vom 18. März stand einmal mehr ganz im Zeichen der Sichtbarkeit und Verbundenheit des schweizerischen Corporationswesens. Der Anlass wird von der Schweizerische Vereinigung für Studentengeschichte getragen und mobilisierte auch dieses Jahr landesweit zahlreiche Couleurikerinnen und Couleuriker, ihre Farben im Alltag zu tragen und damit Präsenz zu zeigen – sei es an Hochschulen, Gymnasien oder am Arbeitsplatz.

Neben dem individuellen Farbentragen fanden zahlreiche regional organisierte Anlässe statt. Bereits tagsüber trafen sich Studierende vieler Verbindungen zu gemeinsamen Mittagessen in den Uni-Mensen. Am Abend folgten in der ganzen Schweiz Veranstaltungen wie Kommerse, Vorträge und Stämme. Aktivitäten wurden unter anderem in Basel, Bern, Biel, Chur, Engelberg, Genf, Luzern, Olten sowie Zürich durchgeführt. Diese boten Gelegenheit zum Austausch innerhalb der eigenen Verbindung ebenso wie zu Begegnungen über Verbindungsgrenzen hinweg.

Ein besonderer gemeinsamer Moment verband die Teilnehmenden über alle Regionen hinweg, als um Punkt 21.00 Uhr traditionsgemäss das «Gaudeamus Igitur» angestropht wurde.

Nach diesem gelungenen Tag blicken wir auf viele Begegnungen zurück und freuen uns bereits auf den Swiss Couleur Day 2027. Für Rückmeldungen, Fragen sowie Ideen und Anregungen steht euch die WeKo jederzeit gerne zur Verfügung. Kontakt: aktuar [at] svst [dot] ch.

Autorin: Julia Heuberger v/o Montanara